Die Geschichte von PHP – Vom Hobby-Projekt zur Enterprise-Plattform

PHP betreibt 72% aller Websites mit bekannter Server-Sprache. Die Geschichte einer Technologie, die totgesagt wurde und trotzdem das Internet antreibt.

Laut W3Techs laufen 72% aller Websites mit bekannter Server-Sprache auf PHP. Das ist elfmal mehr als die nächste Konkurrenz. Die meisten Nutzer wissen davon nichts, und genau das sagt viel über die Sprache aus: PHP arbeitet im Hintergrund, zuverlässig und ohne Aufsehen.

Die Technologie wurde, wie viele andere Technologien auch, mehrfach totgesagt. Jedes Mal kam sie zurück - schneller, sauberer, mit besseren Werkzeugen. Die Geschichte von PHP ist keine Heldenerzählung. Es ist die Geschichte einer pragmatischen Sprache, die Probleme löst, während andere über Eleganz diskutieren.

Dieser Artikel zeichnet den Weg nach: von einem CGI-Skript auf einem privaten Webserver bis zur Plattform, die WordPress, Slack und Wikipedia antreibt.

Personal Home Page

Im Frühjahr 1994 schrieb der dänisch-kanadische Entwickler Rasmus Lerdorf eine Sammlung von CGI-Binaries in C. Der Zweck war denkbar einfach: Er wollte nachverfolgen, wer seinen Online-Lebenslauf aufruft. Im Juni 1995 veröffentlichte er diese Werkzeuge auf Usenet unter dem Namen "PHP Tools 1.0", wobei PHP für "Personal Home Page" stand.

Die Resonanz war unerwartet groß. Andere Entwickler griffen die Tools auf, erweiterten sie, meldeten Bugs. Lerdorf reagierte, baute Funktionen ein, die Nutzer anfragten. PHP/FI 2.0 erschien 1997 und lief laut php.net bereits auf rund 60.000 Domains; etwa ein% des damaligen Internets. Für ein Hobbyprojekt war das bemerkenswert, aber noch nichts was in großen Unternehmen für Aufmerksamkeit sorgen würde.

Der erste große Umbau

Das änderte sich mit PHP 3. Zwei Informatikstudenten der Universität Tel Aviv - Andi Gutmans und Zeev Suraski - fanden, dass PHP/FI für ihr eigenes E-Commerce-Projekt nicht ausreichend ist und schrieben den PHP-Parser komplett neu. Im Juni 1998 erschien PHP 3 als Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Innerhalb weniger Monate lief die neue Version auf 70.000 Domains und erreichte zehn% aller Webserver. Das Akronym wurde zu einem rekursiven Backronym umgedeutet: "PHP: Hypertext Preprocessor".

Im Winter 1998/1999 begannen Gutmans und Suraski erneut bei 0. Sie schrieben den Kern der Sprache um und nannten das Ergebnis "Zend Engine", aus ihren Vornamen Zeev und Andi. Gleichzeitig gründeten sie die Firma Zend Technologies, die über zwei Jahrzehnte das kommerzielle Ökosystem um PHP prägte.

Professionalisierung

PHP 4 erschien im Mai 2000 mit der Zend Engine 1.0 als Grundlage. Die Version brachte Session Management, Output Buffering und eine deutlich verbesserte Architektur. PHP wurde damit für größere Projekte nutzbar, auch wenn das Objektmodell noch rudimentär blieb. Hosting-Anbieter begannen, PHP als Standard neben Perl anzubieten. Die Einstiegshürde war niedrig: eine PHP-Datei auf den Server laden, fertig.

Der eigentliche Sprung kam mit PHP 5 im Juli 2004. Die Zend Engine 2.0 führte ein ernstzunehmendes Objektmodell ein: echte Klassen mit Sichtbarkeiten, Interfaces, Exceptions. Dazu kamen PDO für einheitlichen Datenbankzugriff und SimpleXML für die Verarbeitung von XML.

PHP 5 machte die Sprache zum ersten Mal enterprise-tauglich. Große Anwendungen ließen sich nun sauber strukturieren, und Frameworks wie Symfony (2005) und Zend Framework (2006) entstanden auf dieser Grundlage.

Schwierige Jahre

Die nächste Dekade war die härteste in der Geschichte von PHP. Das Projekt PHP 6 sollte native Unicode-Unterstützung bringen, ein längst überfälliges Feature. Die Arbeiten begannen um 2005. Das Ziel war ehrgeizig: UTF-16 als internes String-Format, durchgehend in der gesamten Engine.

Aber das Projekt scheiterte. Die Komplexität der Umstellung, Performance-Einbußen und mangelnde Einigung in der Community führten dazu, dass PHP 6 zwischen 2009 und 2010 stillschweigend aufgegeben wurde. Brauchbare Features wurden in die Versionen 5.3 und 5.4 zurückportiert. Als 2014 über die nächste große Version abgestimmt wurde, entschied die Community, direkt zur Version 7 zu springen.

Während die Kernentwicklung stockte, wuchs das Ökosystem weiter. WordPress stieg bis 2014 zum dominierenden Content-Management-System auf und betrieb über 20% aller Websites. Facebook skalierte seine PHP-Codebasis auf Milliarden von Nutzern — und stieß dabei an Grenzen, die zur Entwicklung von HHVM (HipHop Virtual Machine) und der eigenständigen Sprache Hack führten. Facebooks Probleme zeigten zwei Dinge gleichzeitig: PHP hatte Grenzen, aber es war gleichzeitig gut genug, um eines der größten Internetunternehmen der Welt darauf aufzubauen.

Bewährung

PHP 7 erschien im Dezember 2015 und war die wichtigste Version seit PHP 5. Die Zahlen sprachen für sich: doppelt so schnell wie PHP 5.6, bei 50% weniger Speicherverbrauch. Dazu kamen Scalar Type Declarations, Return Type Declarations und der Null Coalescing Operator - Features, die PHP näher an statisch typisierte Sprachen rückten, ohne deren Rigidität zu übernehmen.

Die wahre Stärke von PHP 7 zeigte sich nicht in Benchmarks, sondern in der Praxis. Unternehmen, die man nicht mit PHP assoziiert, setzten es produktiv ein. Wie Keith Adams, damals Chief Architect bei Slack, im Slack Engineering Blog schrieb: "I would start a new project in PHP today, with zero apologies." Slack verarbeitete Milliarden von Nachrichten täglich, und PHP war ein zentraler Bestandteil der Architektur.

Etsy skalierte seinen LAMP-Stack von 45,7 Millionen auf 90,1 Millionen Käufer. Wikipedia, eine der zehn meistbesuchten Websites weltweit, lief und läuft auf MediaWiki - geschrieben in PHP. Mailchimp formulierte es pragmatisch: "PHP for everything touching the production application."

Modernisierung

Mit PHP 8.0 begann im November 2020 ein neues Kapitel. Der JIT-Compiler (Just-In-Time) übersetzte PHP-Code zur Laufzeit in Maschinencode. Dazu kamen Named Arguments, Union Types, Attributes und die Match Expression. PHP war nicht wiederzuerkennen für alle, die die Sprache seit den PHP-5-Tagen nicht mehr angefasst hatten.

Die PHP-Community etablierte einen verlässlichen Release-Zyklus. Jede Version brachte substanzielle Verbesserungen:

PHP 8.1 (November 2021) führte Enums ein, Readonly Properties, Fibers für asynchrone Programmierung und Intersection Types. PHP 8.2 (Dezember 2022) brachte Readonly Classes und DNF Types. PHP 8.3 (November 2023) ergänzte Typed Class Constants, das #[Override]-Attribut und json_validate(). PHP 8.4 (November 2024) lieferte Property Hooks, Asymmetric Visibility, eine neue HTML5 DOM API und einen überarbeiteten JIT-Compiler. PHP 8.5 (November 2025) führte den Pipe Operator ein, eine neue URI Extension und Clone-with-Modifications.

Das Ökosystem: Mehr als die Sprache

Eine Programmiersprache ist nur so stark wie ihr Ökosystem und PHP blickt auf eine über 20 Jahre gewachsene Landschaft von Tools und Frameworks zurück

Composer und Packagist bilden das Rückgrat der PHP-Paketverwaltung. Laut Packagist stehen über 444.800 Pakete zur Verfügung, mit mehr als 171 Milliarden Installationen insgesamt.

Bei den Frameworks dominiert Laravel mit 64% Nutzung unter PHP-Entwicklern, gefolgt von Symfony mit 23%. CakePHP, Slim und andere Frameworks bedienen spezialisierte Nischen. Die Interoperabilität zwischen diesen Frameworks sichert PHP-FIG mit den PSR-Standards - gemeinsame Schnittstellen für Logging, HTTP-Messages, Caching und mehr.

Laut dem JetBrains State of PHP 2025 Report nutzen 36% der PHP-Entwickler PHPStan für statische Analyse. PHPUnit bleibt mit 50% das verbreitetste Testing-Framework, während das jüngere Pest auf 17% kommt. Die Werkzeuge sind ausgereift, gut dokumentiert und in CI/CD-Pipelines integrierbar.

Ein struktureller Wendepunkt war die Gründung der PHP Foundation im November 2021. Unterstützt von JetBrains, Automattic, Laravel, Symfony und weiteren Unternehmen, finanziert die Stiftung laut ihrem Report 2024 zehn Kernentwickler mit einem Budget von 900.000 Dollar für 2025. Die von der Foundation angestellten Entwickler sind für 37% aller Commits am PHP-Kern verantwortlich. Damit hat PHP erstmals eine stabile, von einzelnen Personen unabhängige Governance-Struktur.

Fazit: Totgesagt, nie gestorben

Die Zahlen zeichnen ein klares Bild. W3Techs misst 72% Marktanteil bei serverseitigen Sprachen, elfmal mehr als die nächste Alternative Ruby. Weltweit arbeiten laut verschiedenen Schätzungen rund 5,2 Millionen Entwickler mit PHP. Der JetBrains State of PHP 2025 Report zeigt, dass 89% davon bereits PHP 8.x einsetzen. Das PHP-basierte Content-Management-System WordPress allein bildet die Basis 42,8% aller Websites.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich PHP im Kontext von AI-gestützter Softwareentwicklung positioniert. Die Sprache bringt eine große installierte Basis, ein reifes Ökosystem und eine aktive Community mit, also gute Voraussetzungen, um von neuen Werkzeugen und Methoden zu profitieren. In den folgenden Artikeln dieser Serie beleuchten wir, wie AI-gestützte Entwicklung und maßgeschneiderte Softwarelösungen konkret zusammenspielen und warum bewährte Technologien dabei oft die bessere Grundlage sind als der neueste Hype.

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